Headshaking

20.09.2015

Wenn Pferde mit dem Kopf schütteln

Headshaking ist beim Pferd eine Erkrankung, die die betroffenen Pferdebesitzer oft verzweifeln lässt. Es handelt sich dabei keineswegs um eine neue Erkrankung. In der Literatur wurde dieses Erkrankungsbild erstmals 1809 erwähnt. Dabei kommt es beim Pferd zum Symptom das oft in der Literatur als „Rauf und Runter schlagen“ des Kopfes beschrieben wird. Dabei liegt meist keine Untugend des Pferdes zugrunde, sondern eine neurologische Erkrankung, vor allem des Trigeminus Nervs.

Zusätzlich zum typischen Kopfschlagen können auch häufig Symptome wie z.B. das „mit der Nase am Boden Entlangstreichen“ ständiges Scheuern am Kopf oder vermehrtes Schnauben beobachtet werden.

Bei einer Trigeminus Neuralgie, so wird es in der Fachsprache genannt, spürt das Pferd wahrscheinlich ein Kribbeln oder einen Schmerz im Bereich des von diesem Nerven versorgten Gebietes. Die natürliche Reaktion des Pferdes besteht darin, dieses Gefühl durch Kopfschlagen los zu werden.

Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es in einzelne Fälle zu einer ungewollten Konditionierung von Pferden kommt, indem das Verhalten durch „Belohnung“ positiv verstärkt wird, d.h. die Pferde haben gelernt, dass sie durch Intensivierung des Kopfschlagens sich der Arbeit entziehen können.

 

Welche Ursache löst das Headschaken aus?

Es kommen sowohl organische Ursachen, als auch fehlerhafte Sättel und Trensen und falsche Reitweise in Betracht. Auf die letzteren Ursachen soll in diesem Artikel aber nicht weiter eingegangen werden.

Bei den organischen Ursachen (vor allem Augen, Ohren, Zähne, Schädel inkl. Nebenhöhlen, Kiefer, Genick, Luftsack, Atmungsorgane, Hals und Rückenwirbel, Muskulatur und  Zentralnervensystem betreffend) wird auch vermutet, dass eine Allergie des Pferdes oder starker Stress ein Auslöser sein kann.

Auslöser sind die ganz alltäglichen natürlichen Reize z.B. Licht, Wind, Kälte, Staub oder Regentropfen, wobei die Auswahl von Pferd zu Pferd spezifisch schwankt. 

Je nach Ursache des Headshakens werden verschiedene Gruppen unterschieden:

z.B. allergische, fotosensible, traumatische Headshaker, oder die Form, bei der die Ursache nicht ermittelbar ist. Diese Form wird als idiopathisches Headshaking bezeichnet und macht leider ca. 90 % der Fälle aus.

 

Wie kann der Tierarzt helfen?

Das Problem der Erkrankung Headshaking ist, dass oft keine Ursache gefunden werden kann. Deshalb ist meist die Frustration bei Reiter und Tierarzt gleichermaßen hoch. Man sollte aber trotzdem die Ursachen des Schüttelns untersuchen lassen. Denn findet man die Ursache, ist eine Therapie mit vollständiger Genesung wesentlich wahrscheinlicher!

Vor jeder Untersuchung steht eine ausführliche Anamnese. Abgeklärt werden soll in dieser z.B. wann und wo das Headshaking auftritt, ob das Headshaken nur unter dem Reiter, oder auch auf der Koppel auftritt, usw.

Danach wird entschieden welche Organe in welcher Reihenfolge untersucht werden müssen.

Auch eine Untersuchung des Blutes auf verschiedene Infektionskrankheiten sollte erfolgen.

In einigen Fällen kann jedoch keine organische Ursache gefunden werden.

Dazu muss der Tierarzt durch Ausschlussverfahren oder Eingrenzung von Symptomen einen Behandlungsplan erstellen.

 

Behandlungsoptionen:

Zu aller erst muss gesagt werden, dass jeder Headshaking Fall sehr individuell ist. Oft müssen verschiedene Therapien ausprobiert werden, bis sich ein Erfolg einstellt.

Geschickterweise kombiniert man verschiedene Therapien aus verschieden Bereichen.

 

Schulmedizinisch:

Es stehen verschiedene Arzneimittel aus der Humanmedizin zur Verfügung.

Welche Wirkstoffe eingesetzt werden können, sowie nach welchem Behandlungsplan therapiert wird, muss individuell erstellt werden.

Ein speziell für das Allergische Headshaken entwickeltes Nasenspray für Pferde ist ebenso beim Tierarzt erhältlich.

Eine chirurgische Entfernung eines Teiles des Trigeminus Nerven wird in der Literatur beschrieben, hat aber Aufgrund der geringen Erfolgsaussichten und mit diesem chirurgischen Eingriff einhergehenden Komplikationen keine Bedeutung in der täglichen Praxis.

Eine neue Methode der Behandlung untersucht derzeit die Tierärztliche Hochschule Hannover. Dabei wird ähnlich wie in der Humanmedizin Glycerolin in das Ganglion Trigeminale gespritzt. Nur erfordert dieser Eingriff aufgrund seiner besonderen, anatomischen Lage beim Pferd eine Allgemeinnarkose und muss unter computertomographischer Kontrolle erfolgen. Ob diese Behandlungsmethode einen Erfolg bringt, muss aber noch weiter untersucht werden.

 

Alternative Medizin:

Einige homöopathische Arzneimittel haben sich bei der Behandlung bewährt.

Ebenso kann durch die Akupunktur nach unseren Erfahrungen in der Tierärztlichen Praxis den betroffenen Pferden meist sehr gut geholfen werden.   

 

Technische Hilfsmittel:

Je nachdem, um welchen Headshakertypen es sich handelt, kann dem Pferd zur Unterstützung oft gut mit Nasennetzen, Lichtschutzmasken, oder Bommeln am Nasenriemen Erleichterung vom ständigen Schütteln geschaffen werden. Dabei muss ausprobiert werden, ob ein Schützen z.B. vor Fliegen durch ein Nasennetz oder eine gezielte, ständige Stimulierung des Trigeminus Nerven durch Bommeln, die ständig die Tasthaare und die Pferdenase berühren, bei jedem einzelnen Tier zum Erfolg führen.

Außerdem ist bekannt, dass bei manchen Pferden ein Stallwechsel eine deutliche Besserung gebracht hat.

 

 

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